Flüchtig streift etwas dein Ohr. Du drehst dich nach ihm um, doch da ist es schon wieder verschwunden. Das Welttanzprogramm.
Wann immer du ihm begegnest, der Nebel der es umgibt scheint sich nie zu lichten.

Es ist ein Begriff der von vielen verwendet, aber nie klar umrissen wird.
Was ist das Welttanzprogramm? Was sind Standardtänze? Braucht man das kleine Latinum für die Lateintänze? Was haben Rumba und Jive gemeinsam?
Es ist ein Begriff der meistens mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet.

Deswegen habe ich dir in dieser Artikelreihe die wichtigsten Infos über das Welttanzprogramm (kurz WTP) zusammengefasst.

Was ist das Welttanzprogramm?

Das Welttanzprogramm ist ein Modell das eine gemeinsame Basis für den Tanzunterricht schaffen soll.

Es wurde 1961 vom Hamburger Gerd Hädrich und dem Engländer Alex Moore entwickelt um Ordnung in eine immer komplexer werdende Tanzwelt bringen. Zwei Jahre später (1963) wurde die Idee der beiden Tanzlehrer vom World Dance Counsil, dem Dachverband der nationalen Tanzlehrerverbände übernommen.

Als Grundlage für den Tanzunterricht wurden Grundschritte und Figuren für die damals wichtigsten Tänze festgelegt. Außerdem wurden die Unterrichtsziele für die Grundkurse vereinbart. Der Grundgedanke war, dass jeder Tänzer auf der Welt, mit jedem anderen Tänzer tanzen könnte. Tanz quasi als ultimative, verbindende Sprache.

Der Begriff WELTtanzprogramm ist allerdings leicht übertrieben. Es erstreckt sich nicht über die ganze, sondern mehr schlecht als recht über die westliche Tanzwelt und wird im Grunde nur im deutschsprachigen Raum angewandt. Und selbst hier wird es von den meisten Tanzschulen als lose Richtlinie gehandhabt.

Wie alles begann

Das ursprüngliche WTP von 1963 umfasste 11 Tänze die rhythmisch voneinander abgegrenzt waren. Der Ausgangspunkt für die Auswahl der Tänze, und die Festlegung von Grundschritten und Figuren war der Turniertanzsport. Es wurde für das WTP aber einiges vereinfacht.

Die Tänze waren in drei Gruppen unterteilt: Standardtänze (Ballroom dances), Lateinamerikanische Tänze (Latin Dances) und Modetänze. Welche Tänze in welche Gruppen gehören ist allerdings nicht von ihrer Herkunft, sondern von der Tanztechnik abhängig.

 

Die Standardtänze

Zu den Standardtänzen gehören fünf Bewegungstänze die in geschlossener Tanzhaltung und Abendkleidung getanzt werden.

Die Standardtänze:

Turniertanz Welttanzprogramm
  • Wiener Walzer
  • Wiener Walzer
  • Langsamer Walzer
  • Langsamer Walzer
  • Quickstep
  • Foxtrott
  • Slowfox
  • Blues
  • Tango
  • Tango

Wie du in der Gegenüberstellung siehst sind drei Tänze geblieben, zwei wurden gestrichen und zwei neue Tänze sind aufgetaucht. Der Foxtrott ist eine simplere Version des Quickstepps, und der Blues ersetzt den Slowfox.

Die Einteilung selber fällt als recht grob auf, da sich die Tänze in Herkunft, Charakteristik und auch ein wenig in der Technik unterscheiden.
Vor Allem Tango sticht aus der Menge heraus.

Im Gegensatz zu den anderen Standardtänzen hat er seine Wurzeln in Lateinamerika, und würde daher besser zu den Lateinamerikanischen Tänzen passen, von denen er sich technisch wiederum zu stark unterscheidet. Aber nicht nur seine Herkunft auch sein Charakter hebt den Tango von den anderen Vieren merklich ab.

Beim Wiener Walzer tanzt man sich ins Delirium, der Langsame Walzer treibt auf den sanften Wellen der Musik, Foxtrott (oder Quickstep) ist spritzig und Blues (oder Slowfox) ist getanztes Understatement. Aber so unterschiedlich sie sind, gehören sie technisch alle zu den Schwungtänzen und haben jeder auf seine eigene Art eine zart romantische Komponente.
Tango hingegen ist zackig, intensiv, mit betonten Pausen zwischen schellen Bewegungen, und gehört zu den Schreittänzen.
Feine technische Unterschiede gibt es in der Haltung. Der Tango verlangt mehr Körperkontakt als die Schwungtänze und die Tänzer gehen stärker in die Knie. Das ist notwenig um diesen Tanz gut führen zu können.

Die Lateinamerikanischen Tänze

Die Lateinamerikanischen Tänze müssten nach der Herkunft eigentlich „Latein- und Nordamerikanische Tänze mit einem europäischen Besucher“ heißen. Dazu gehören nämlich: 

  • Cha Cha Cha
  • Rumba
  • Samba
  • Jive
  • Paso Doble

Die ersten drei haben ihren Ursprung in Lateinamerika. Jive hingegen kommt aus Nordamerika und Paso Doble entstand in Frankreich.
Aber wie gesagt, auch wenn „Lateinamerikanische Tänze“ anderes vermuten lässt, erfolgt die Einteilung nach Tanztechnik und nicht nach Herkunft. Diese fünf Tänze werden alle in offener Tanzhaltung und legererer Kleidung getanzt.

Wenn du schon einen Grundkurs hattest fragst du dich jetzt vielleicht wieso Boogie nicht auf der Liste steht. Da Jive und Boogie sich aus denselben Tänzen entwickelt haben und besonders ähnlich sind werden sie im Welttanzprogramm unter Jive zusammengefasst.

Im Turniertanz besteht die Lateinamerikanische Kategorie aus denselben fünf Tänzen. Sie wurden etwas vereinfacht aber nicht wie manche Standardtänze durch simplere Versionen ersetzt. Das heißt aber nicht, dass der lateinamerikanische Teil des WTP von den Tanzschulen strikter gehandhabt wird. So unterrichten beispielsweise manche Tanzschulen Cha Cha Cha mit, andere ohne Startschritt auf die „1“.

Die Modetänze

Last and Unfortunatly Least gibt es noch die Modetänze (oder nicht klassifizierten Tänze) von denen es zunächst nur einer ins WTP schaffte:

Der „Beat“.

Der wurde knapp 20 Jahre später durch den Single Disco ersetzt und 1980 hatte die Modetanz-Kategorie drei Vertreter:

  • Single Disco
  • Rock ’n’ Roll
  • Discofox

In den nächsten Jahren kamen Merengue, Mambo, Salsa und Marschfox dazu und 2005 wurden schließlich alle Paar- und Solotänze ins Welttanzprogramm aufgenommen.
Das war weiter kein Problem da die Modetänze in den Grund- und Medaillenkursen der Tanzschulen grundsätzlich eher übergangen werden.

 

Die Modetänze bekommen Zuwachs

2005 bestand das Welttanzprogramm schließlich, zusätzlich zu den 5 Lateinamerikanischen und 5 Standardtänzen aus einer Unmenge an nicht klassifizierten Tänzen, unter anderem:

  • Salsa
  • Mambo
  • American Mambo
  • Merengue
  • Bachata
  • Guapacha
  • Son
  • Tango Argentino
  • Line Dance
  • Hip Hop
  • Street Dance
  • Old Time Dances
  • Country & Western Tänze

So hat sich das Welttanzprogramm von einem schlichten Modell mit 11 Tänzen zu einem leicht überladenen System entwickelt.
Seit den 60er Jahren hat sich die Tanzwelt verändert und weiter entwickelt und damit ist der Anspruch an das Welttanzprogramm gestiegen. Um möglichst up to date zu bleiben, und dem Anspruch eines ordnungschaffenden Systems gerecht zu werden, wurden mehr und mehr Tänze aufgenommen.

Diese Entwicklung hat den Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) dazu bewegt ein neues System zu entwickeln.

Was sie alles verändert haben, und wie das neue System funktioniert erkläre ich dir im Artikel Welttanzprogramm Teil 2 – Das neue deutsche WTP.

Im Welttanzprogramm, Teil 3 findest du die Unterrichtsziele die laut Welttanzprogramm vermittelt werden sollen, und ich gebe dir Tipps und Tricks zum Überleben auf der Tanzfläche.

 

Was denkst du über die Einteilung der Tänze? Hast du schon problemlos mit Tänzern aus allen Teilen der Welt getanzt?
Schreib mir einen Kommentar mit deinen Erfahrungen.

 

Hanna Ørum Madsen

Was hälst du von einer Welt in der man zur Arbeit tanzt und Musik zum Frühstück isst?

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